Im Irgendwo - Texte von Laura Rumich

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Ich bin allein Drucken E-Mail
Ich bin allein, führe ein intensives Gespräch. Nein, verrückt bin ich nicht. Und doch sitze ich vor dem Spiegel und diskutiere mit mir, mit mir allein. Mein Gespräch scheint das zweite Ich zu interessieren, es spricht hastig, versucht mich in dieser Debatte für sich zu gewinnen. Seine Worte vereinnahmen mich. Ich höre zu, höre zu und schweige mir ins Gesicht.

Mir scheint als schwimmen wir, ja wir schwimmen in einem hastigen Strom, meine Worte reißen mich mit. Das Bild artikuliert, ich kann den Blick nicht von meinem Gegenüber lassen. Ich bin gebannt. Höre auf zu diskutieren und schwimme nun nicht mehr gegen diesen reißenden Strom, ich schwimme mit in die Gedankenlosigkeit, lasse meine nun wieder einsetzende Gesprächsbereitschaft treiben, treiben in ungewisse Richtungen.

Da sitz ich noch immer fasziniert, obwohl sowohl die meine als auch die Stimme des Spiegels längst erloschen. Nur langsam reiße ich mich aus diesem Bann, fahre mir mit gespreizten Fingern durch mein Haar. Das Bild ist weg, nur das Gespräch scheint zu verharren, wie dickflüssiger Sirup.

Das Gespräch verklebt mein Herz, ich stehe auf, langsam, bedächtig, suche, weiß nicht was ich suche, doch finden tu ich meinen heißgeliebten Füller. Er liegt dort, schlicht und unauffällig, bemerken tu ich ihn doch. Hebe ihn auf und fange an zu schreiben über meine nun verschollene Spiegelseite.

© Laura Rumich, September 1999