Im Irgendwo - Texte von Laura Rumich

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Der Schein des Seins Drucken E-Mail
Du bist hier, bei mir.
Beteuerst mir deine Liebe, dein Sein,
doch die meisten Stunden lässt du mich
in bitterer Ungewissheit allein.

Ich sehe in deine Augen,
versinke in ihrem Grün.
Doch trotz meiner Kämpfe
scheinst du dich nur schwer
Zentimeter um Zentimeter
von deinen Zweifeln zu rühren.

Du willst nicht gehen,
willst drei Ewigkeiten bei mir sein,
doch dein Zwiespalt holt dich ein,
lässt dich nicht sehen, noch verstehen,
blockiert dich,
wirft dich um Meilen zurück
und ich fürchte um das vielleicht
schon verflossene Glück.

Wenn du bei mir bist,
weiß ich um den stummen Dritten,
der auf einem Stuhl bei uns sitzt
und Worte der Schuld in das Holz meiner Schränke
wie in das weiche Fleisch deines Herzens ritzt.

Unter den Schlägen der Zeit,
die durch meine Venen rinnt,
versuch’ ich das Warten auf dich zu vergessen
und so muss ich mich an meiner Sehnsucht messen.

Doch noch immer bist du nicht hier.
Du bist fort.
Ich könnte dir folgen an diesen Ort,
zu diesem Schlachtfeld in deinem Kopf,
könnte eindringen in das Grauen,
aber dann würdest du meinem Wort nicht mehr trauen.

Und so irr’ ich durch meine Träume,
such’ dort dein Sein,
doch auch dort lässt du mich allein.

Denn wenn ich erwach’ und mein Herz
in der Dunkelheit der Nacht nicht mehr will,
dann hass’ ich dich, doch nicht auf immer,
denn der noch bleibende Schein deines Seins
lässt es weiter schlagen, trotz des eigentlichen Versagens.

Ich weiß um deine Liebe,
um deine Treue,
doch weiß ich auch um deine andere Seite,
deine Seite der Reue.

Wenn wir zusammen sind, reden wir,
kämpfen wir, gemeinsam.
Doch vermag ich nicht mehr lang,
der Kraft, dem Wahnsinn nicht zu verfallen,
er packt mich, bohrt seine Krallen in mein Herz,
lässt Löcher der Verzweiflung zurück
Stück für Stück.

Ich liebe dich trotz der Schmerzen,
die an mir zehren, sehr, so sehr,
so 100.000 mal mehr,
so dass meine Kraft auch manchmal
die ganze Nacht über mich
so wie auch über dich wacht.

Manchmal habe ich das Gefühl,
wir schwimmen durch Fluten aus Honig,
der so süß ist wie unsere Liebe,
doch ebenso die Gefahr der Undurchdringlichkeit birgt.
So wie mich manchmal der stumme Dritte würgt.

Wenn ich so sitze und meine Gedanken,
so reich an Zahl, so wie die Sterne
in meinem Kopf leuchten,
wird mir Tag für Tag,
Stunde um Stunde,
Minute für Minute
meine unvergängliche Liebe bewusst
und ich fürcht’ den Verlust,
der hinter jeder Ecke auf mich lauert.
So kauer’ ich mich, duck’ ich mich
und warte auf die ausbleibenden Hiebe
unserer unvergänglichen Liebe.
Doch ich spüre es: Du und ich,
unsere Seelen so sehr verbunden,
können immer auf’s neu lindern unsere Wunden.

Denn du fühlst,
kannst fühlen wie ich fühle.
Wir verstehen das Sein des Anderen,
auch unbewusst, denn wir sind eins,
auch wenn die Zeit,
der stumme Dritte dich hält,
versucht dich mit Vorwürfen zu quälen
in seiner, teils deiner Welt.

Und so warte ich,
sehe den Schein deines Seins,
wie einen meiner Gedankensterne,
am Ende der Nacht,
über die unsere Liebe wacht,
wie ein wildes Tier, unverwundbar,
mit der Kraft des Wahnsinns, dessen Macht
die Zweifel ertränken lässt,
ohne Erbarmen sie vergänglich macht.


© Laura Rumich, Mitte November 1999