Im Irgendwo - Texte von Laura Rumich

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Scherben im Sand Drucken E-Mail


Deine Augen sind leer. Und Tod überzieht den Himmel mit einem purpurfarbenen Streifen.
Auch Angst hat dich verlassen. Die glitzernden Morgenscherben, welche der todgeweihte Himmel in den Sand und auf die funkelnden Wogen des Meeres wirft, zerschneiden deine ach so weichen Füße; doch du weißt es nicht.
Blut rinnt, dein Blut rinnt.
Nun zieht sich auch ein rot schimmernder Streifen durch den Sand. Rinnt davon wie all deine Gedanken, welche dich einmal so reich machten.
Ich rufe deinen Namen, doch du bist weit fort. So schrecklich weit fort. Langsam steigt der rot glühende Feuerball den Himmel, welcher mit Tod überzogen ist, empor. Eine Straße aus weißem Licht durchbricht das Scherbenmeer, durchbricht den Sand, übergießt die Scherben und dein geronnenes Blut mit gleißender Reinheit.
Du windest dich ein letztes Mal in diesem weiß-goldenen Licht, und all das, was Tod nicht braucht, fällt von dir. In den blutenden Sand. Bis du sauber von Leben bist. Da stehst du nun. Inmitten des Lichtes, der Scherben. Inmitten der Reinheit. All deine Gedanken, deine Erinnerung, all dein Lieben ist in die Weiten des Sandes gefallen. Und das Licht schließt sich um deinen Körper. Nimmt dich mit sich; und in jenem Moment, in dem du in der Reinheit des Lichtes ertrinkst, weiß ich, du wirst mir fehlen. Du hast nur dein Blut, deine Gedanken, deine Erinnerungen und deine Liebe zurückgelassen.
Doch ich werde all das Zurückgelassene mit mir nehmen. Dich in meinem Herzen weiter leben lassen. Denn du warst es, die du dich im gleißenden Licht deiner Selbst zu Boden warfst und dich dem Tod in seiner Reinheit hingabst.
Du warst so mutig, inmitten der Scherben, inmitten deiner Gedankenlosigkeit.

An meine nun für mich tote Freundin
© Laura Rumich (21.6.2000)